Durch Verfügung der Königlichen Regierung in Minden vom Dezember 1817 waren alle Ämter und Gemeinden verpflichtet, in Zukunft eine Chronik zuführen: so auch für Schildesche.

Die Aufzeichnungen füllen fast 300 Seiten und umfassen einen Zeitraum von 1800 bis 1895.

Da sie zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens Notizen haben, stellen diese Chroniken ein informatives Zeitzeugnis dar, aus dem der
Heimatverein Schildesche e. V. in Zukunft periodisch Auszüge präsentieren wird.

Bisher erschienen : 1800–1802, 1800, 1803-1804, um1800, 1805, 1806, 1806, 1806, 1807,1808
, 1809, 1810, 1811, 1812, 1813, 1813, 1815, 1815, 1816, 1816, 1817
Originalblatt der
Schildescher Chronik aus dem
Bielefelder Stadtarchiv

 

Mit der Niederlage der französischen Truppen in der Völkerschlacht bei Leipzig ging auch das Königreich Westphalen unter. Ravensberg und damit Schildesche wurden wieder preußisch, die alten Zustände blieben bestehen. Sinnfälligstes Beispiel, man zahlte nicht weiter die französischen Steuern, sondern die alte „Contribution“:

 


 

on dem Preußischen General von Bülow wurde kurz darauf durch eine Proclamation diese Grafschaft für Preußen wieder in Besitz genommen. An die Stelle der ehemaligen Präfecten traten nunmehr Königliche Regierungs-Commissionen.
Sonst blieb übrigens Alles vorläufig beim Alten, außer daß in dem zum Französischen Kaiserreich gehörten Theil der Gemeinde die französischen Steuern aufgehoben und die alte Contribution nebst einigen andern dem Königlich Westphälischen ähnliche Steuern wieder eingeführt wurden.

 

Es ging nun auch hier, wie in ganz Preußen eingeführt, die Organisation der Landwehr vor sich. Eine große Menge junger und alter Männer ergriffen hierbei die Waffen.
Ja! es war eine Begeisterung für Preußen sondergleichen und ein Haß gegen Frankreich ohne Gränzen. Alle eilten, noch unbewaffnet, dem Rheine zu. Überdem equipirten sich viele Jünglinge selbst, um unter den errichteten Detachements der Freiwilligen Jäger theils zu Fuß theils zu Pferde zu dienen. Alle hielten sich brav
.

 

 


 

ur Bekleidung und Ausrüstung vaterländischer Krieger wurde gesammelt und an die Regierungs-Commission in Bielefeld abgeliefert
I. vom Pastor Schrader
10 Stück alte Reichs-Species-Thaler
2 Stück Kronen-Thaler
15 Stück Franken
22 Holländische Gulden
3 Stück Holländische 50 Stüber
128 Thaler Gold
25 Thaler 2 gute Groschen Conventions-Geld
137 Thaler Preußisch Courant
2 Loth 1 8/15 Quentchen Gold
1 goldner Ring mit einem Medaillon
506 Loth 2/3 Quentchen Silber
10 Paar silberne Schnallen
eine roth sammtne Decke mit ächten goldenen Trassen und
einem goldnen Medaillon
1202 Elle Leinen
147 Stück Hemde
12 Paar Srümpfe und Socken
3 Paar Schuhe
1 Pfund 26 Loth Charpie
1 metallener Leuchter.

 

II. von dem Frauen-Verein
304 Thaler 23 gute Groschen 7 Pfennige baar
34 Stück Leinwand
141 Stück Hemde
27 Stück Bette- und Handtücher
30 Paar Socken
374 Compressen
36 Binden
48 Pfund Charpie
49 Bund alte Leinwand
III. von dem Beamten (Maire) Lampe bei Gelegenheit
der Organisation der Landwehr gesammelt, 530 Thaler Gold.
Außerdem hat die Gemeinde 9 Extramonate zum Kriege
gesteuert, welche 3420 Thaler betrugen
.

 
Um Napoleon gänzlich zu besiegen, griffen die Männer zu den Waffen und dies musste finanziert werden. Auch in Schildesche wurde zur Ausrüstung kräftig gesammelt:
Viehseuchen waren in der Geschichte stets gefürchtet. Im Jahre 1813 brachten durchziehende Truppen eine Krankheit mit, die die Kühe befiel und den Bauern erhebliche Schäden verursachte:

 


 

n dem benachbarten Fürstenthum Bückeburg war unter dem Hornvieh die Seuche oder Löserdürre ausgebrochen. Dieses Übel wurde durch das den im November diesen Jahres hier durch marschirten Truppen gefolgte Schlachtvieh nach der hiesigen Gegend gebracht, und es starben daran
1, dem Meyer zu Sudbrak 26 Kühe, werth 584 Thaler
2, dem Arröder Ackersmann 1 Kuh, werth 25 Thaler
3, dem etc. Wemhöner 1 Kuh, werth 20 Thaler
4, dem Neubauer Wächter 2 Kühe werth 46 Thaler
5, dem Neubauer Köhne 1 Kuh werth 20 Thaler
6. dem Commerciant Metting 1 Kuh werth 30 Thaler


 

Die Abschrift erfolgte getreu dem Original.
Die Fortsetzung der Schildescher Chronikseiten bald wieder auf dieser Seite.

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