Durch Verfügung der Königlichen Regierung in Minden vom Dezember 1817 waren alle Ämter und Gemeinden verpflichtet, in Zukunft eine Chronik zuführen: so auch für Schildesche.

Die Aufzeichnungen füllen fast 300 Seiten und umfassen einen Zeitraum von 1800 bis 1895.

Da sie zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens Notizen haben, stellen diese Chroniken ein informatives Zeitzeugnis dar, aus dem der
Heimatverein Schildesche e. V. in Zukunft periodisch Auszüge präsentieren wird.

Bisher erschienen : 1800–1802, 1800, um1800, 1803-1804, 1805, 1806, 1806, 1806, 1807, 1808, 1809, 1810,1811, 1812, 1813 , 1813, 1815 , 1815, 1816, 1816, 1817
Originalblatt der
Schildescher Chronik aus dem
Bielefelder Stadtarchiv
   




Ständige wiederkehrende Themen der Amtschronik sind das Wetter und der Zustand der Landwirtschaft, so auch im Jahre 1803:


 

m Monat Mai war von Anfang bis zu Ende die elendste Witterung, Schnee, Hagel und Regen wechselten miteinander ab, und so kalt, dass man es ohne einzuheizen nicht aushalten konnte. Übrigens war nachher gute Witterung vorherrschend.
Die Ärnte ist in diesem Jahre nicht ergiebig gewesen, und es hat eine Vergleichung des Beamten der Ämter Schildesche und Werther dieses, mit dem vorhergehenden Jahre, zu dem Resultate geführt, dass für das Jahr 1803 auf jede Person im Amte, sowie auf jedes Stück Hornvieh und Schwein 1 Scheffel Getreide weniger, wie im vorhergehenden Jahre, gewonnen ist.

  Der zeitige Beamte wurde durch ein Rescript Seiner Majestät des Königs de 24ten September 1803 aufgefordert, sich gutachtlich darüber zu äußern:Ob er die Verlängerung und Erneuerung der Getreidesperre, mit Rücksicht auf die dermaligen kriegerischen Conjuncturen im angränzenden Auslande rathsam und erforderlich erachte.
Er hat seine Meinung, durch Gründe unterstützt, dahin geäußert, dass er eine Kornsperre weder in öconomischer noch politischer Hinsicht für paßlich halte; es müsse vielmehr einem allgemeinen Mangel an ein- und ausländischen Producten durch Anwendung der von ihm in Vorschlag gebrachten zweckdienlichen Vorsichtsmaaßregeln vorgebeugt werden.
 


  m Januar war die Witterung so gelinde, daß verschiedene Stauden Knospen trieben, die Wiesen ganz grün wurden und der Klee zu wachsen anfing. Im Sandlande hatte man angefangen, zu säen und zu pflanzen.
Den 29ten Juli war das erste starke Gewitter; von der Zeit an hörte es fast nicht auf mit Regengüssen und Stürmen. Die Ärnte war eine der elendsten, vieles Korn wuchs in den Stiegen aus, oder verdarb auf dem Halm.
 

.Alles gewährte die traurigste Aussicht. An Roggen und Weizen wurden 10.248 Scheffel, mithin beinahe das Duplum des vorhergehenden Jahrs, weniger geärntet. Diesen Verlust ersetzten die gut gerathenen Gartenfrüchte und besonders die Kartoffeln sehr vieles im Getreidebedarf, und ein großer Segen in den Wiesen machte den Strohmangel weniger fühlbar.

 
Zum Jahre 1804 findet sich nur eine kurze Eintragung in der Amtschronik, es war eben nicht viel geschehen. Die Themen "Wetter" und "Ernte" stehen wiederum im Mittelpunkt (Anmerkung: der Scheffel ist ein Hohlmaß und entspricht bei Roggen circa 30 Kilogramm):

Die Abschrift erfolgte getreu dem Original.
Die Fortsetzung der Schildescher Chronikseiten bald wieder auf dieser Seite.

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