Das Stift Schildesche um 1350






n. Chr. Der Sachsenführer
Widukind wird als legendärer und sagenhafter Gründer der Kirche in Schildesche erwähnt. Allerdings entbehrt diese Aussage jeder historischen Bestätigung.

 
Das Bistum Münster wird durch den heiligen Ludger gegründet.


soll eine sagenhafte Kirche des Meiers zu Altenschildesche, die Kirche "Johannes over den Dieken", jenseits der Teiche des Johannesbaches, existiert haben. Auch hier fehlt jede historische Quelle dazu.
Die Bistümer Minden und Paderborn entstehen.


Die Adelige Marcsvidis gründete in Schildesche ein "Kloster", wie es in ihrer Lebensbeschreibung heißt für Stiftsdamen, die sogenannten Kanonissen. In der Folgezeit reist sie selbst nach Rom, um Reliquien Johannes des Täufers zu erhalten. Zum Stiftsgut gehören die acht Höfe: Schildesche, Altenschildesche, Borbeke, Pahmeyer, Lübrassen, Selhausen, Eißen und Jerrendorf. Marcsvidis setzte als Äbtissin ihre Verwandte Emma ein.

 
Vermutlich wurde in diesem Jahr die erste Stiftskirche fertiggestellt. Sie war halb so lang wie die heutige und verfügte noch nicht über einen Turm. Lediglich eine Glocke, geschützt von einem kleinen Dachreiter, rief zum Gottesdienst.

Das "Kloster"Schildesche wird dem
Paderborner Bischof Meinwerk geschenkt.


Die Stadt Bielefeld wird gegründet.


 
Die Äbtissin von Schildesche beklagt den Holzeinschlag von Bielefelder Bürgern auf dem Johannisberg; der Wald wird an den Grafen von Ravensberg verkauft, später erhalten die Stiftsdamen Ländereien in Sudbrack und Gellershagen als Entschädigung.


Die Grafen von Ravensberg übernehmen den weltlichen Schutz des Stiftes; sie werden die Stiftsvögte.

wird vermutlich die alte Stiftskirche zerstört. Gleichzeitig scheinen die Stiftsdamen ihre gemeinsame Lebensführung und Haushaltung aufgegeben zu haben. Sie beziehen acht Kurien, Stiftshöfe, die sich um die Stiftskirche herum gruppieren.

 
wird Hermann von Schildesche, ein europaweit bekannter Geistlicher, geboren.

Die Johannes-Plastik, die sich heute in der katholischen Kirche an der Ringenbergstraße befindet, entsteht.
 
Johannes-Plastik aus dem 13. Jahrhundert und Siegel des Schildescher Stiftskonventes vom Jahr 1345 (StA Münster, Stift Schildesche).


Die Stiftsdamen erhalten in
Salzuflen von den Ravensberger Grafen ein Salzhaus. Aus der Verpachtung fließen ihnen jährlich eine große Menge Salz zu: eine wichtige Einnahme, denn im Mittelalter war das Salz aufgrund seiner Bedeutung für Mensch und Tier "weißes Gold".


 

Die Stiftsdamen stellen erstmalig eine Steuerliste - ein Heberegister - auf, das alle Einkünfte und auch deren Verteilung regelt.
 

Eine der drei Glocken, die heute im Turm der Stiftskirche hängen, wird gegossen. Einer der Stifter war Lambert von Bevessen, in seiner Zeit eine bedeutende Persönlichkeit in Ravensberg. Vermutlich wurde auch in diesem Jahr der erste Turm der Stiftskirche errichtet.


entstand der gotische Schnitzaltar in der Stiftskirche mit Tafeln aus dem Leben Jesu und Johannes des Täufers.


Gotischer Schnitzaltar eines niedersächsischen Meisters.




Nach dem Visitationsprotokoll
für die Grafschaft Ravensberg
gab es in Schildesche keine Refor-mationsbestrebungen.

 


in Bielefeld kam es zum ersten Reformationsversuch. Das Amt des Propstes in Schildesche wird aufgehoben. An seine Stelle tritt die Pröpstin, die allerdings nicht annähernd so viel Einfluß hatte wie der Propst.

 
Hermann Hamelmann setzte in Bielefeld die Reformation durch.

In Schildesche lebten nur noch zwei katholische Stiftsdamen. Die Jülich-Berger Landesherren sterben aus. Ravensberg fiel an Brandenburg, jedoch auch die Pfalz-Neuburger hatten noch politischen Einfluß in der ehemaligen Grafschaft.

 
In der Zeit der Gegenreformation
wird die Stiftskirche von katholischen Truppen aufgebrochen.

Mit dem Restitutionsedikt soll der kirchliche Stand von 1629 wieder hergestellt werden.
 
Im Religionsvertrag zwischen Brandenburg und Pfalz-Neuburg wurde festgelegt, dass ein Drittel der Stiftsdamen in Schildesche evangelisch-lutherisch, ein weiteres Drittel evangelisch-reformiert und schließlich eines katholisch sein sollte.


Eine Kirche für die Katholiken wird auf dem Kalberkamp errichtet.
Maßgeblich an dem Bau beteiligt war der katholische Pfarrer Tegeler.


finden in Schildesche die Markenteilungen statt. Die Allmende, das gemeinsam genutzte Land, wurde auf die einzelnen Bauern aufgeteilt. Zur Ausweitung des bäuerlichen Landes wurden die königlichen Arröder mit Land versehen.


Die Franzosen regierten Ravensberg. Der Regent, Napoleons Bruder Jérôme, residiert in Kassel. Der Johannis-bach wurde zur Grenze zwischen dem Kaiserreich Frankreich und dem Königreich Westphalen.

 
Die französische Regierung
hob das Stift Schildesche auf. Die Einkünfte, finanziellen Berechtigungen und Gebäude wurden verkauft. Die verbliebenen Stiftsdamen erhielten eine staatliche Pension. 1829 starb die letzte Stiftsdame in Schildesche.
Der Turm der Schildescher Stiftskirche stürzte wegen Baufälligkeit ein und begrub drei Bauarbeiter unter sich.

 
Eine Krise im heimischen Leinengewerbe verursacht Kummer und Not. Die Köln-Mindener Eisenbahn wird gebaut und damit der
Viadukt bei Schildesche.


Das Rettungshaus, das spätere Johanniswerk, wird ins Leben gerufen.

 

Die Mechanische Weberei Ravensberg nimmt in Schildesche ihren Betrieb auf. Wegen der Sirene, die die Arbeitszeiten verkündete, bürgerte sich im Volksmund der Name "Schilsker Tüüt" ein.



 

Das Dorf Schildesche wird mit Kleinbahn und Straßenbahn an die Stadt Bielefeld verkehrsmäßig angeschlossen.

 
An der heutigen Ringenbergstraße entsteht die neue katholische Kirche.

Der erste Weltkrieg fordert auch aus der Schildescher Bevölkerung seine Opfer. 1917 wird der Viadukt auf vier Bahnspuren ausgebaut.

 
Zur Erinnerung an die Toten des Ersten Weltkrieges wird an der Stiftskirche ein Kriegerdenkmal errichtet.

Schildesche wird nach Bielefeld eingemeindet und verliert seine Eigenständigkeit.
 
Mit einem Festumzug gedenkt die Schildescher Bevölkerung kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges des 1000jährigen Bestehens ihres Ortes.


Der Viadukt bei Schildesche ist Ziel mehrerer Luftangriffe der Alliierten. Kurz vor dem Ende des Krieges wird er zerstört.

 
Die Neuapostolische Gemeinde zieht in die seit 1912 leerstehende alte kath. Kirche.




Wegen der Kriegsschäden und dem verstärktem Aufkommen von Personenkraftwagen stellt die Kleinbahn ihren Betrieb ein. Ein halbes Jahrhundert mobiler Kultur endet.

 


Das Ursulinen-Kloster wird fertigestellt. Nach fast 150 Jahren gibt es wieder eine klösterliche Gemeinschaft in Schildesche.



 
 
Die Mechanische Weberei Ravensberg in Schildesche schließt sich aus markttechnischen Überlegungen mit der Bielefelder Mechanischen Weberei zusammen.

 
Wegen der Krise in der Textilindustrie schließt die Weberei in Schildesche ihre Produktion. Die Gebäude werden noch von der Fa. Miele als Lager genutzt, jedoch 1983 abgerissen. Die Waldorf-Schule errichtet ihre eigenen Schulgebäude auf diesem Gelände.


entsteht in Schildesche eine der ersten Gesamtschulen im Bielefelder Bereich.

 
wird der Obersee als Nah-erholungsmöglichkeit fertiggestellt. Ihm soll der Untersee folgen, der allerdings sehr umstritten ist.




Schildesche feiert sein 1050 jähriges Bestehen.









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